Verhandlungen zum CO2-Grenzwert für Pkw in Brüssel
Umweltverbände warnen vor Desaster beim Klima- und Verbraucherschutz: Politiker müssen wirksamen CO2-Grenzwert gegen Autolobby durchsetzen
Der Verkehrsclub Deutschland (VCD), die Deutsche Umwelthilfe (DUH) und Greenpeace befürchten ein Desaster für den Klima- und Verbraucherschutz der EU. Bei den aktuellen Verhandlungen über einen europaweiten CO2-Grenzwert für Pkw zeichne sich ein vollständiges Einknicken der Politik vor den Interessen der Autolobby ab. Damit würde eine erhebliche Verbrauchsminderung bei Neuwagen um weitere Jahre verzögert und die Entlastung des Klimas von Treibhausgasen aus dem Straßenverkehr verhindert. Auch die Autofahrer hätten das Nachsehen, da hoher Verbrauch bei steigenden Spritpreisen automatisch hohe Kosten an der Tankstelle zur Folge hätte.
„Das wäre ein Skandal. Die Autoindustrie hat bis heute eine gesetzliche Begrenzung des Treibhausgasausstoßes von Neuwagen mit aller Macht verhindert. Sie senkt den Verbrauch viel zu langsam und ignoriert ihre Verantwortung für den Klimaschutz“, kritisiert Gerd Lottsiepen, verkehrspolitischer Sprecher des VCD. Der Industrieausschuss des Europäischen Parlaments habe in seiner Stellungnahme zum Entwurf der EU-Kommission eins zu eins den Vorschlag der Autoindustrie übernommen, einen CO2-Grenzwert mit dem sogenannten Phase-in erst stufenweise für die gesamte Flotte einzuführen und zusätzlich nicht genauer definierte »Öko-Innovationen« anzurechnen. „Das ist bewusste Irreführung der Wähler und Verbraucher“, moniert Lottsiepen. „Der Vorschlag des Industrieausschusses für 2012 entspricht dem heutigen Ist-Wert. Erst 2015 würde ein viel zu lascher Grenzwert greifen. Damit wird Klimaschutz zur Lachnummer und Autofahren für Millionen Autokäufer unnötig teurer.“
„Wir erleben dieser Tage das Musterbeispiel eines skrupellosen Industrielobbyismus, der noch dazu von der deutschen Bundesregierung aktiv unterstützt wird“, erklärt DUH-Bundesgeschäftsführer Jürgen Resch und erinnert daran, dass schon der Vorschlag der EU-Kommission die Handschrift der deutschen Autobauer getragen habe. Statt der mit der europäischen Autoindustrie verbindlich vereinbarten 120 Gramm CO2 pro Kilometer (g CO2/km) sollte nunmehr ein Durchschnittsausstoß von 130 g CO2/km genügen. Mit dem Verschmutzungsprivileg für schwere Fahrzeuge sei ein weiteres Zugeständnis für die übermotorisierten deutschen Limousinen durchgesetzt worden. „Wir können in diesen Tagen hautnah erleben, was der Umweltminister und die frühere Klimakanzlerin unter dem Begriff »ökologische Industriepolitik« verstehen – nämlich nationale Industriepolitik zu Lasten von Umwelt und Verbrauchern in ganz Europa“, beklagt Resch. Berechnungen hätten ergeben, dass mit dem Phase-in und anderen Abschwächungen bis 2020 ein Einsparpotenzial von 400 Millionen Tonnen CO2 gegenüber einer klaren Grenzwertregelung mit 120 g CO2/km bis 2012 und 80 g CO2/km bis 2020 verschenkt würde.
VCD, DUH und Greenpeace fordern Umweltpolitiker in Brüssel und Berlin ultimativ auf, bei der Sitzung des EU-Umweltausschusses am 25. September die letzte Chance für ambitionierten Klimaschutz bei Pkw wahrzunehmen und sich nicht länger zu Erfüllungsgehilfen der Autoindustrie zu machen. Denn an der Entscheidung für einen wirksamen CO2-Grenzwert hänge nicht nur die Glaubwürdigkeit der Klimapolitik, sondern auch der Schutz der Verbraucher vor explodierenden Kosten.
ALLGEMEINES, mobil_PolitikÖkoGlobe ’08 prämiert zukunftsweisende Mobilitätskonzepte: Deutsche Autoindustrie zeigt Verantwortung für den Klimaschutz
„And the winner is …“: Am 9. September 2008 wurde in Köln zum zweiten Mal der ÖkoGlobe verliehen, der erste internationale Umweltpreis für die Automobilindustrie und ihre Zulieferer. Mit ihm werden in 11 Kategorien umweltfreundliche Verkehrsinnovationen ausgezeichnet.
Der ÖkoGlobe ist der erste und bisher einzige Umweltpreis, der die Themen Verkehr und Ökologie zusammenführt. Er wurde 2007 durch den Aktionskünstler HA Schult initiiert und wird durch die DEVK Versicherungen und den ACV Automobil-Club Verkehr Bundesrepublik Deutschland in Zusammenarbeit mit dem Institut CAR Center Automotive Research der Fachhochschule Gelsenkirchen verliehen. „Der ÖkoGlobe zeigt, wie schnell die Autoindustrie auf Erfordernisse des Marktes reagiert, denn er fokussiert die derzeit wichtigsten gesellschaftlichen und politischen Themen: Klimaschutz, Nachhaltigkeit und Energie sparende Innovationen“, sagt Prof. Dr. Ferdinand Dudenhöffer, Direktor des CAR und Sprecher der ÖkoGlobe-Jury. „Er ist ein Ansporn für die Autohersteller zu zeigen, dass umweltfreundliche Autos heutzutage weder Utopien, noch Prototypen oder Versuchsreihen sind, sondern ausgereifte und alltagstaugliche Serienfahrzeuge“, so Dudenhöffer weiter. Denn die Automobilindustrie hat sich ihrer Verantwortung längst gestellt und kann bereits zahlreiche praxisgetestete Entwicklungen mit Umweltverträglichkeitsanspruch vorweisen. Immerhin
65 Bewerbungen um den Öko-Preis gingen bei der Jury ein. Keine Frage, dass das Who´s who der Autoindustrie persönlich bei der Preisverleihung anwesend war.
„Wir treffen mit dem ÖkoGlobe den Nerv der Zeit“, erläutert Friedrich W. Gieseler, Vorstandsvorsitzender der DEVK, „denn er signalisiert, wer die glaubwürdigen Förderer eines bewussten Umgangs mit der Mobilität sind.“ Schließlich konzentriere sich der ÖkoGlobe ausschließlich auf die ökologische Beurteilung der Innovationen, bewerte die Zahlen, Daten und Fakten. „Natürlich sind wir sind uns im Klaren darüber, dass die ausgezeichneten Projekte nicht zur Lösung aller Zukunftsprobleme führen. Doch schaffen wir durch den ÖkoGlobe Öffentlichkeit und Transparenz, und zeigen, dass die Autoindustrie offensiv auf klimapolitische Herausforderungen reagiert und führen diejenigen ad absurdum, die Autos und deren Hersteller zum Feindbild stilisieren. Denn wir brauchen die Mobilität. Aber verantwortungsbewusst“, so Gieseler.
Besonders die deutschen Autohersteller und Zulieferer machen mit ökologisch verträglichen Automobilinnovationen von sich reden: Von den acht ÖkoGlobes, die für die deutschen Autobauer möglich waren, konnten sie die Vergabe von sechs für sich entscheiden. „Das ist ein Ergebnis, das die Leistungsfähigkeit und Innovationskraft der deutschen Autoindustrie wider spiegelt und zeigt, dass sie in Sachen Ökologie und Klimaschutz derzeit nach vorn prescht“, fasst Prof. Ferdinand Dudenhöffer diese Bilanz zusammen.
Die Preisträger
Kategorie 1: Kraftstoff-Forschung
Gewinner: BP mit alternativen Kraftstoffen aus Biobutanol und Jatropha
Biobutanol: Statt Ethanol kann der alternative Alkohol Biobutanol für Bezingemische verwendet werden. Biobutanol verfügt über deutlich bessere Kraftstoffeigenschaften und kann Benzin in höherer Konzentration beigemischt werden als Ethanol, ohne dass das Fahrzeug nachgerüstet oder die Motorkonstruktion angepasst werden muss. Es verringert die weltweite Abhängigkeit vom Öl und kann über Pipelines transportiert werden.
Jatropha: Biokraftstoffe konkurrieren vielfach mit der Nahrungsmittelproduktion. Die Wissenschaftler von BP haben hier eine Alternative entwickelt: Biokraftstoff aus den Nüssen der Pflanze Jatropha Curcas (dt. Purgiernuss). Sie ist nicht zum Verzehr geeignet, wächst auf kargen Böden, die sie zudem vor Erosion schützt. Tests mit einer motorischen Verbrennung von Jatropha-Kraftstoff verliefen positiv.
Kategorie 2: Hybridantrieb/Elektroantrieb
Gewinner: Daimler mit dem smart fortwo electric drive
Der smart fortwo electric drive arbeitet mit einem 41 PS starken Magnetmotor, der durch eine dauerhaft leistungsstarke Hochtemperatur-Batterie aus umweltfreundlichem Natrium-Nickel-Chlorid angetrieben wird. Sie findet im Unterboden Platz, sodass der Innenraum vollständig erhalten bleibt. Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 112 km/h. Mit null Gramm Kohlendioxidausstoß ist dieses Auto die klimafreundlichste Alternative im Stadtverkehr. Einmal aufgeladen, fährt der 41 PS starke Zweitürer rund 115 Kilometer weit. Die Batterie kann an jeder 230-Volt-Steckdose wieder aufgeladen werden, und das mindestens 1.000 Mal.
Kategorie 3: Verbrennungsmotor/Gasantrieb
Gewinner: BMW mit EfficientDynamics und dem thermoelektrischen Generator
EfficientDynamics: Die Maßnahmen, die unter der Bezeichnung BMW EfficientDynamics
zusammengefasst werden, sind vielschichtig: Sie reichen von neuen Verbrennungstechnologien über eine Reduzierung des Fahrzeuggewichts und die Verringerung mechanischer Reibung und die Verbesserung der Aerodynamik bis hin zu einem optimierten ganzheitlichen Energiemanagement. Die Wirksamkeit dieser Maßnahmen lässt sich mit einem geringeren Verbrauch und einer verbesserten Beschleunigung belegen.
Thermoelektrischer Generator (TEG): Selbst in einem sehr effizient arbeitenden Verbrennungsmotor wird nur rund ein Drittel der Energie, die im Kraftstoff steckt, in Fortbewegungsenergie umgesetzt. Die restlichen zwei Drittel gehen in Form von Wärme verloren, die über das Abgas und den Kühler an die Umgebung abgegeben wird. Mit dem TEG wird die Verlustwärme im Abgas genutzt und im Schubbetrieb und beim Bremsen in die Batterie eingespeist.
Kategorie 4: Zulieferer-Innovationen
Gewinner: Bosch mit Denoxtronic (Abgasnachbehandlungssystem für Diesel-Pkw)
Bei Denoxtronic handelt es sich um ein System zur Abgasnachbehandlung, das Stickoxid-Emissionen deutlich reduziert. Hierzu wird flüssiger Harnstoff, besser bekannt als Adblue, in den Abgasstrang eingespritzt. Im nachfolgenden Katalysator reagiert das Adblue mit den Stickoxiden zu harmlosen Wasserdampf und Stickstoff. Denoxtronic wird ab 2009 nicht mehr nur den Lkw vorbehalten sein, sondern im Pkw-Markt eingeführt werden.
Kategorie 5: Öko-Großserienauto
Gewinner: Ford mit ECOnetic
Alle Ford ECOnetic-Modelle kombinieren hochmoderne Common-Rail-Dieselmotoren mit einer Vielzahl intelligenter Einzellösungen, um den Kraftstoffverbrauch auf ein Minimum zu senken, wie die Reduzierung der Fahrtwiderstände durch Leichtlaufreifen oder eine Erhöhung des Wirkungsgrades im Antriebsstrang. Im Laufe des Jahres 2008 folgt eine ECOnetic-Version des neuen Ford Fiesta TDCi mit einem CO2- Emissionswert von nur 98 g/km.
Kategorie 6: Konzeptauto
Gewinner: Opel und General Motors Europe mit den E-REV (Chevrolet Volt, Opel Flextreme)
Mit E-REV (Extended-Range Electric Vehicles, reichweitenverlängerte Elektrofahrzeuge) bezeichnet GM künftig vollständig elektrisch angetriebene Fahrzeuge. Sie werden an der Steckdose aufgeladen und verfügen zusätzlich zum Elektromotor über kleine Verbrennungsaggregate zur Reichweitenverlängerung. Mit E-REV könnten zum Beispiel die meisten Berufspendler in Europa täglich ganz ohne CO2-Emissionen mobil sein.
Kategorie 7: Ökologischer Fuhrpark
Gewinner: Die DATEV eG mit ihrem Anreizsystem für verbrauchsoptimierte Fahrzeuge
Der DATEV-Flottenbestand umfasst für den Außendienst ca. 560 Fahrzeuge. Im Jahr 2000 wurde ein Anreizsystem für verbrauchsoptimierte Fahrzeuge eingeführt. Über den ausgewiesenen Emissionswerterfolgt eine Klassifizierung. Für ein verbrauchsarmes Fahrzeug erhält der Dienstwagenberechtigte einen monatlichen Bonus, während verbrauchsintensive Fahrzeuge mit einem Malus belegt werden. Der Kraftstoffverbrauch der Gesamtflotte konnte in 7 Jahren um über 2 l/100 km auf 7,92 l/100km gesenkt werden.
Kategorie 8: Mobilitäts-Vision
Gewinner 1: Toyota mit dem iReal
Seit vergangenem Jahr wird der Mobilitätsroboter „iReal“ – ein futuristischer Rollstuhl, der selbstständig fahren und Treppen steigen kann – in Kliniken eingesetzt. Durch solche Versuche wollen die Entwickler herausfinden, welche Funktionen im Alltag gebraucht werden und welche reine Ingenieurs-Phantasien waren.
Gewinner 2: üstra Hannoversche Verkehrsbetriebe
Als erstes deutsches Verkehrsunternehmen erfüllte die üstra 1998 mit ihren Stadtbahnen und Bussen die hohen Anforderungen der EU-Öko-Audit-Verordnung. Die aktuelle CO2-Bilanz der Landeshauptstadt Hannover hat gezeigt, dass die üstra das Ziel der Senkung des CO2-Ausstoßes um 25 Prozent im Zeitraum von 1990 bis 2005 mit 22 Prozent fast geschafft hat. Nächstes Ziel: Hybridbusse als neue Generation von umweltfreundlichen Stadtbussen. Es wurde bereits ein Hybridbus der Firma Solaris gekauft, der in Zusammenarbeit mit dem Fraunhofer Institut für Verkehrs- und Infrastruktursysteme getestet wird.
Kategorie 9: Ökologischer Impulsgeber
Gewinner: Prof. Dr. Klaus Töpfer
So zu leben, dass auch kommende Generationen eine sichere Heimat haben, ist das Motto von Prof. Dr. Klaus Töpfer. Und der Bundesumweltminister a.D. und ehemalige Direktor des Umweltprogramms der Vereinten Nationen (UNEP) hat so deutliche Spuren hinterlassen: Er wurde international zum „Mister Umwelt“. Er hat deutlich gemacht, dass wirtschaftliches Wachstum nur in Verbindung mit technologischem Wandel bei ressourcenschonender Ausrichtung möglich ist. Seine politischen Erfolge: Der Katalysator und das Drei-Liter-Auto.
Kategorie 10: Öko-Werbung
Gewinner: Volkswagen mit der Kampagne „Erst wenn ein Auto Innovationen allen zugänglich macht, ist es: Das Auto“.
Die Werbekampagne von Volkswagen zeigt das Engagement des Unternehmens für die Umwelt und spiegelt Technologien wie BlueMotion, DSG und Park Assist bzw. Lane Assist wider. Ausgezeichnet wird Volkswagen für das Motiv „Fahrradständer“, denn gerade dieses Motiv besitzt einen hohen Erinnerungswert und löst beim Betrachter einen positiven Öko-Impuls aus.
Kategorie 11: Entsorgung
Gewinner: Daimler mit dem Umweltzertifikat und dem Recycling-Managementsystem (MeRSy)
Umweltzertifikat: Daimler produziert seit 12 Jahren unter dem Leitgedanken „Design for Environment“ (Umweltgerechte Produktentwicklung). Die Strategie dabei: So sauber wie möglich und so effizient wie möglich – vom Design, über die Produktion und Produktnutzung bis hin zur Entsorgung und Wiederverwertung. Mercedes-Benz ist weltweit die einzige Automobilmarke mit zwei Umwelt-Zertifikaten gemäß ISO-Norm 14062.
Recycling-Managementsystem: 1993 hat Daimler MeRSy eingeführt. MeRSy organisiert die Sammlung und Entsorgung von Autoteilen und Altmaterialen, die in den Pkw- und Nutzfahrzeugwerkstätten anfallen. Das System funktioniert inzwischen flächendeckend in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Alleine im Jahr 2006 hat MeRSy insgesamt 30.240 Tonnen Altteile und Materialien gesammelt und einer Verwertung zugeführt.
Die Jury
- Prof. Dr. Ferdinand Dudenhöffer, Direktor des CAR – Center Automotive Research an der Fachhochschule Gelsenkirchen (Vorsitz und Sprecher der Jury)
- Matthias Machnig, Staatssekretär Bundesumweltministerium
- Prof. Dr. Claudia Kemfert, Inhaberin des Lehrstuhls für Umweltökonomie an der Humboldt-Universität zu Berlin
- Prof. Dr. Bernd von Droste-Hülshoff, Founding Director Unesco-Weltkulturerbe
- Prof. Dr. Bruno O. Braun, Präsident des Vereins Deutscher Ingenieure (VDI) und Vorstandsvorsitzender der TÜV Rheinland Group
- DEVK-Vorstand Engelbert Faßbender
Schirmherr ist Bundesumweltminister Sigmar Gabriel.
Weitere Informationen im Internet unter www.oekoglobe.de.
Bild zum ÖkoGlobe’08
Von links: Friedrich W. Gieseler, DEVK Versicherungen, Bernhard Matthes, Ford-Werke GmbH, Dr. Peter Sauermann, Deutsche BP AG, Dr. Klaus Badenhausen, Daimler AG, Wilhelm Lindenberg, üstra Hannoversche Verkehrsbetriebe AG, Hans H. Demanth, Adam Opel GmbH, Bruno Stark, Daimler AG, Hartmut Seeger, VW AG, Michael Leistenschneider, DATEV eG, Keiji Sudo, Toyota Deutschland GmbH, Dr. Ulrich Dohle, Robert Bosch GmbH, Prof. Dr. Ferdinand Dudenhöffer, CAR Center Automotive Research, Prof. Dr. Klaus Töpfer, Vizepräsident Rat Nachhaltige Entwicklung, Franz-Georg Volpert, ACV Automobil-Club Verkehr.
Der neue Mindset-Prototyp: Unser Blick hinter die Kulissen der schweizer Autoschmiede
Ecomobil-Autor Andreas Manthey, Herausgeber Karl-Heinz Mayer und Chefredakteur Peter Grett durften als erste Medienvertreter den neuen Prototypen von Mindset sehen – und waren beeindruckt.
Viele, denen die schweizer Hybrid-Innovation bereits ein Begriff ist, erinnern sich an die Bilder des spektakulären 2+2-Sitzers mit seinen frei stehenden Rädern und den im Dach integrierten Solarzellen. Stolz zur Schau gestellt in großen Glaskästen am Ufer des Vierwaldstätter Sees. Soweit so schön.
Bei aller Begeisterung, die einem befällt angesichts der unkonventionellen, Emotionen weckenden Formen, die Top-Designer Murat Günak dem Gefährt verpasst hat, darf jedoch auch Skepsis erlaubt sein. Allzu viele, vollmundig angekündigte Vehikel aus kleineren Entwicklungsschmieden fanden nie den Weg auf die Strasse – zumindest nicht in erwähnenswerten Stückzahlen. Droht dem Mindset also ein ähnliches Schicksal, nämlich als gelungenes Kunstwerk in seiner Vitrine zu verstauben oder hat der Leichtbau-Flitzer tatsächlich das Zeug zum erfolgreichen Serienfahrzeug?

Die neueste Mindset-Welt begegnete uns nicht unter Glas, sondern ganz profan hinter einem Garagentor. Zum Vorschein kam die nächste Entwicklungsstufe in Form eines in frischem blau gehaltenen Prototypen. Bis auf die Farbe gab es jedoch keine größeren Unterschiede zum Vorgänger zu erkennen. Was bisher jedoch in einem Schnittmodell nur angedeutet war, die Formen- und Materialsprache im Innenraum, kann nun in durchkomponierter Ausführung bewundert werden. Wie stets, so ist auch das Mindset-Interieur Geschmackssache – einzigartig ist es auf alle Fälle. Die hellen, freundlichen Töne und die auf das Wesentliche reduzierte, dabei wertige Ausstattung betonen das großzügige Raumgefühl, für das nicht zuletzt die durchgängige Sitzbank verantwortlich ist.
Noch so klotzige Limousinen oder SUVs vermögen einem diese Freiheit, ein solches Nicht-Eingesperrtsein zu vermitteln, wie der stylische Kompakthybrid.
Die inneren Werte zählen jedoch ebenso und auch hier ist zu vermuten, dass man seine Hausaufgaben gemacht hat. Selbst als Kenner der besonderen Vorzüge eines Elektroantriebs in punkto Beschleunigung kommt einem nach einem Ausritt mit dem Fahrversuchsträger ein „Donnerwetter“ über die Lippen.
Wir sind jedenfalls optimistisch, dass der Mindset die Kurve kriegen und unter Liebhabern des Besonderen zahlreiche Anhänger, sprich Käufer, finden wird. Denn im Gegensatz zu den derzeit so gefeierten Elektro-Sportwagen hat er entscheidende Vorteile. Er ist ein richtiges Auto mit echtem Nutzwert.
Wir bleiben jedenfalls dran und berichten in unserer Ecomobil-Dezemberausgabe ausführlich über die Innovation aus der Seeküche.
- rl / pg -
Auto_Elektro, ecomobil_AKTUELLThomas Zollhoefer neuer Vorstand bei Loremo
Der seit Januar 2007 amtierende Vorstand Stefan Ruetz hat sich aus dem operativen Geschäft der in Marl ansässigen Loremo AG zurückgezogen und wird seinen, durch den neuen Aufsichtsrat bestätigten Nachfolger Thomas Zollhoefer als Aktionär tatkräftig unterstützen. Thomas Zollhoefer sammelte in verschiedenen Motorsportabteilungen von Automobilherstellern Erfahrungen und war unter anderem als Führungskraft bei Sauber-Petronas Engineering und Sauber F1, dem heutigen BMW F1 Team beschäftigt. Er bringt sein breites Netzwerk in die Loremo AG mit ein und wird umgehend die Entwicklungsarbeit des Fahrzeuges wieder aufnehmen, so wie sich für eine erfolgreiche Teilnahme am Automotive X-Prize einsetzten. Durch die Neustrukturierung sind die Weichen für die gradlinige Entwicklung des Loremo und den frühestmöglichen Serienstart gestellt.
Daimler und RWE starten ins Zeitalter der Elektromobilität
Berlin tankt Strom: Mit „e-mobility Berlin“ starten die Daimler AG und die RWE AG heute das weltweit größte Gemeinschaftsprojekt für klimafreundliche Elektroautos. Diese fahren lokal emissionsfrei und leisten somit einen wesentlichen Beitrag zum Umweltschutz und zur Verringerung der Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen. Die Initiative umfasst alle Komponenten für die effiziente Nutzung von batterieelektrischen Fahrzeugen – von modernster, innovativer Antriebstechnik bis hin zur kundenfreundlichen Infrastruktur. Daimler stellt mehr als 100 Elektroautos der Marken Mercedes-Benz und smart und sorgt für den Service der Fahrzeuge. RWE übernimmt die Entwicklung, den Aufbau und Betrieb der Ladeinfrastruktur mit rund 500 Stromladepunkten, die Stromlieferung und die zentrale Systemsteuerung. Der Zahlungsverkehr wird durch den Datenaustausch zwischen einem speziellen Kommunikationssystem im Fahrzeug und der intelligenten Ladestation ermöglicht. Die einzigartige branchenübergreifende Kooperation bündelt das spezifische Know-how zweier Schlüsselbranchen. Aufgrund seiner Bedeutung für die nachhaltige Mobilität der Zukunft wird dieses Projekt von der Bundesregierung unterstützt.
„Unsere Gemeinschaftsinitiative ist ein gutes Beispiel dafür, was erreicht werden kann, wenn Politik, Energieversorger und Automobilindustrie an einem Strang ziehen“, so Dieter Zetsche, Vorstandsvorsitzender der Daimler AG und Leiter Mercedes-Benz Cars. „Unser Mobilitätskonzept setzt auf eine integrierte Lösung, die uneingeschränkt alltagstaugliche Elektroautos und eine darauf abgestimmte Ladeinfrastruktur kombiniert. Damit verbessern wir die Kundenfreundlichkeit und Alltagstauglichkeit des Elektroautos entscheidend.“
„E-Mobilität für jeden Privatkunden – dafür entwickeln wir ein umfassendes Konzept mit einer maßgeschneiderten, intelligenten und komfortablen Ladeinfrastruktur zu Hause, am Arbeitsplatz und im öffentlichen Bereich. Dazu Tarife, die man sich leisten kann, etwa mit Preisgarantie oder als Öko-Strom-Tarif.“, so Jürgen Großmann, Vorstandsvorsitzender der RWE AG.
Wegweisende Innovationen von Daimler
„Wir sind überzeugt: Die Zukunft der Mobilität ist grün, und die deutsche Industrie hat alle Voraussetzungen, um auf dem Weg dorthin eine Führungsrolle zu übernehmen. Heute gehen wir gemeinsam mit RWE einen wichtigen Schritt in die Zukunft”, sagte Zetsche. Daimler bringt in das Gemeinschaftsprojekt seine umfassende Erfahrung im Automobilgeschäft ein, und dabei vor allem die Erkenntnisse aus der langjährigen, erfolgreichen Forschungs- und Entwicklungsarbeit im Bereich emissionsfreier Fahrzeuge mit
Elektroantriebs- und Batterietechnologie. Im Rahmen von „e-mobility Berlin“ kommen der smart ed (electric drive) der neuen Generation und batterieelektrische Fahrzeuge von Mercedes-Benz zum Einsatz. Zu den wichtigsten Fahrzeug-Innovationen zählt die eigens für den automobilen Einsatz entwickelte Lithium-Ionen Batterie. Diese Technologie ermöglicht im Vergleich zu konventionellen Batterien eine größere Reichweite bei kürzerer Ladezeit und führt zu kleineren und leichteren Batterien. Daimler bringt die Lithium-Ionen Batterietechnologie bereits im nächsten Jahr im Mercedes S 400 BlueHYBRID in Serie.
RWE – Flächendeckendes Versorgungsnetz mit rund 500 Ladestationen
Die RWE AG übernimmt die Entwicklung, den Aufbau und den Betrieb der Ladeinfrastruktur für „e-mobility Berlin“. Im Berliner Stadtgebiet werden für den Großversuch rund 500 Ladepunkte errichtet, ein sukzessiver Ausbau ist möglich. Die für einen effektiven, kundenfreundlichen und komfortablen Alltagsbetrieb erforderlichen Schnittstellen zwischen Fahrzeug und „Strom-Tankstelle“ entwickeln die Partner gemeinsam neu. Diese werden schon heute so konzipiert, dass zukünftig bei Verfügbarkeit entsprechender Batterien auch eine Rückspeisung von im Fahrzeug gespeicherter Energie in das Versorgungsnetz (vehicle-to-grid) möglich sein wird. Das bedeutet, dass die Autobatterie der Zukunft beispielsweise dann Strom speichert, wenn die Nachfrage gering ist, und den Strom wieder einspeist, wenn die Nachfrage hoch ist.
Beide Partner setzen dabei auf offene Standards und möchten künftig mit weiteren Unternehmen an gemeinsamen Lösungen arbeiten. „Die Ladestationen werden beim Kunden zu Hause, am Arbeitsplatz und im öffentlichen Parkraum installiert. Außerdem werden Business-to-Business Partner, wie Shoppingzentren, Parkhäuser oder Flottenkunden, in die Infrastruktur eingebunden. Das Abrechnungssystem soll so einfach und komfortabel wie beim Handy werden“, sagte Großmann.
Modellcharakter auch für serienmäßige Elektromobilität ab 2010
Das neue Projekt profitiert auch von den Erfahrungen, die Daimler im Rahmen des laufenden Pilotversuchs zur Elektromobilität in London gesammelt hat. Dort ist seit dem vorigen Jahr eine Testflotte mit smart fortwo ed der ersten Generation erfolgreich im täglichen Einsatz, unter anderem bei Behörden wie der Polizei. Das Engagement in Berlin ist eine Initialzündung für die erfolgreiche Zukunft der Elektromobilität. Das gilt sowohl für weitere Projekte dieser Art in anderen Metropolen der Welt als auch für den Start der Serienfertigung von Batteriefahrzeugen der Marken Mercedes-Benz und smart in 2010. Dabei folgt Daimler einem ganzheitlichen, integrierten Ansatz, der den gesamten Lebenszyklus eines Fahrzeugs umfasst. Erst wenn Entwicklung, Produktion, Betrieb und Recycling der Komponenten und Teile eines Fahrzeugs vollumfänglich einbezogen werden, lässt sich eine ökologisch ausgewogene Gesamtbilanz erzielen.

