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1000 Liter Wasser pro Liter Agrotreibstoff

Auf den Tag des Waldes folgt der des Wassers: Der BUND – Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland zieht anlässlich des Weltwasser­tages am 22. März eine gruselige Bilanz: Würde man eine trockene Jeans auswringen können, plätscherten daraus rund 5.000 Liter virtuelles Wasser und bevor ein saftiges 300-Gramm-Rindersteak auf dem Teller blutet, mussten zuvor etwa 4.500 Liter Wasser über den Jordan gehen, etwa 25 gefüllte Badenwannen.

Warum das so viel ist, wird klar, wenn man weiß, dass ein Rind, das mangels Wiesen mit Soja ernährt wird, pro Kilo Fleisch 10 Kilogramm Soja braucht. Für die Produktion jedes Kilos Soja müssen wiederum 1000 Liter Wasser eingesetzt werden. Last not least: Hundert mal mehr Wasser als in einem Rindersteak stecken in einem deutschen Mittelklassewagen – dazu später mehr. 

Die Idee des „virtuellen Wassers“, das in Produkten des täglichen Bedarfs steckt, stammt nicht vom BUND sondern vom britischen Wissenschaftler John Anthony Allan, der dafür letztes Jahr den Stockholmer Wasserpreis in Empfang genommen hat. Der Professor vom Londoner King’s College bezeichnet als „virtuelles Wasser“ den Wasserverbrauch, der zur Herstellung von Produkten wie Weizen, Kleidung, Saft oder Autos nötig ist. Darauf machte der BUND nun erneut aufmerksam: „In vielen Produkten des täglichen Bedarfs stecken enorme Mengen „unsichtbaren Wassers“. Für Anbau, Verarbeitung und Lagerung von einem Kilo Kaffee seien insgesamt sogar rund 20000 Liter Süßwasser erforderlich, macht pro Tasse Kaffee etwa 140 Liter – etwa soviel wie für ein Ei. Teetrinker können künftig noch besser genießen, wenn sie wissen, dass für eine Tasse Tee nur 35 Liter Wasser benutzt wurden.

In Agrarprodukten steckt generell sehr viel virtuelles Wasser. Die Liste der Agrarprodukte führt der Agrotreibstoff an. 1000 Liter Wasser fließen pro Liter „Bio“-Treibstoff (Ein Liter Bio-Ethanol kann jedoch bis zu 5000 Liter Wasser verschlingen). Dreimal soviel wie der Agrartreibstoff, knapp 3000 Liter Wasser, braucht man für die Herstellung eines Baumwoll-T-Shirts, die Produktion von einem Liter Milch oder einem Kilo Weizen benötige bis zu 4000 Liter und ein Kilo Reis bis zu 5000 Liter Wasser. Enorme Mengen virtuellen Wassers stecken in Produkten aus Aluminium, Edelmetall und Stahl. Weil wir dabei gleich an ein Auto denken, zitieren wir hier – ohne Golfspielern nahe treten zu wollen – gerne Sebastian Schönauer, Wasserexperte beim BUND (http://www.bund.net/): „Vor allem in Ländern, die ohnehin unter Wassermangel leiden, ist die Verwendung von sehr viel Wasser für Exportprodukte ein großes Problem. Jeder weiß, dass die Bewässerung von Golfplätzen in Spanien zur Absenkung des Grundwasserspiegels und zur Austrocknung ganzer Regionen führt. Kaum jemand aber weiß, dass mit dem Export eines in Spanien hergestellten Mittelklasseautos weit mehr als 100000 Liter virtuelles Wasser exportiert werden.“ 

Und wieviel Wasser steckt in einem 7er BMW oder einem E-Smart? Die Vereinigung Deutscher Gewässerschutz e.V. (http://www.virtuelles-wasser.de/372.html)  hat eine praktische Formel entwickelt: „Als Daumenregel für Industrieprodukte gilt: pro US-Dollar Warenwert kostet ein Industrieprodukt aus den USA 100 l, aus Westeuropa ca. 50 l und aus dem asiatischen Raum ca. 20 l virtuelles Wasser.“ In diesem Zusammenhang hier die Mengen an virtuellem Wasser, die nach den Berechnungen von John Anthony Allan auf der Welt pro Tag verbraucht werden: Demnach „konsumiert ein US-Amerikaner durchschnittlich etwa 6000 Liter virtuelles Wasser pro Tag, jeder Europäer rund 4000 und die Bewohner vieler afrikanischer Staaten weit weniger als 1000 Liter“.  Noch mehr verblüffende und auch erschreckende Details zum Thema „Wasser-Fußabdruck“ finden Sie auf der Website „waterfootprint“ der UNESCO: http://www.waterfootprint.org/?page=files/home.

 - darue -


 

 

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