Im Verkehrsbereich: Bis 2020 mehr als 30 Millionen Tonnen CO2 weniger
Hallo Bundesregierung! Habt ihr eigentlich alles im Griff in Sachen CO2-Minderung im Verkehrsbereich? Habt ihr eure Versprechen gehalten, die ihr euch und uns im Dezember 2007 in Meseberg gegeben habt?
Die Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen wollte das ganz genau wissen, und stellte deshalb am 4. Juni eine „Kleine Anfrage“ im Bundestag. Die „kleine“ Anfrage enthielt 57 Fragen, darunter: Wie viel Tonnen CO2 könnten die Deutschen sparen, würden sie in den Städten bessere Verkehrskonzepte vorfinden, hätten sie kürzere Wege zwischen Wohnen und Arbeiten zurück zu legen, und würden mehr mit dem Fahrrad fahren.
Die Antwort: Wir alle könnten „ . . . laut Schätzungen des UBA (Kommunal mobil, 2008) 10 Mio. Tonnen CO2-Emission bis zum Jahr 2020 durch eine Verminderung und Umkehrung der Zersiedlungstendenz einsparen. Die Wege müssten dafür bis 2020 um 10 Prozent kürzer werden. Und würden wir 30 Prozent aller bisherigen Pkw-Fahrten im Entfernungsbereich bis 6 km mit dem Fahrrad erledigen, ließen sich nach Berechungen des Umweltbundesamtes pro Jahr 7,5 Mio. t CO2 einsparen.
Wissen wollten die Fragesteller außerdem auch, ob „die Bundesregierung dem Beispiel des Deutschen Bundestages folgen wird, und in ihren Behörden nur noch Dienstwagen der oberen Mittelklasse beschaffen wird, die ab sofort weniger als 140 g CO2/km emittieren und ab 2012 weniger als 120 g CO2/km?
Die Antwort hierauf und alle anderen Fragen und Antworten können Sie hier nachlesen: (Fragen mit Antworten, veröffentlicht am 21. Juli 2009 in einer elektronischen Vorabfassung des Bundestages).
Für alle, die in aller in Kürze wissen wollen, was hinten raus kommen soll: Im Verkehrsbereich sollen durch das Integrierte Energie- und Klimaprogramm(IEKP) bis zum Jahr 2020 insgesamt rund 30,4 Millionen Tonnen CO2 eingespart werden. Größter Posten ist dabei die so genannte CO2-Strategie Pkw, mit der die CO2-Emissionen im Verkehrsbereich um 17 Millionen Tonnen verringert werden sollen. Damit wird eine Verordnung der EU umgesetzt, mit der der CO2-Ausstoß von Neuwagen ab 2012 bis 2015 in vier Schritten auf 130 Gramm begrenzt wird. Auch der Ausbau von Biokraftstoffen (4,6 Millionen Tonnen) und die Umstellung der Kfz-Steuer auf CO2-Basis (3,1 Millionen Tonnen) sollen weitere Einsparungen bringen.
Die Bundesregierung schreibt in ihrer Antwort außerdem, sie halte weiter an ihrem Ziel fest, die Treibhausgasemissionen bis 2020 um 40 Prozent unter das Niveau von 1990 zu senken. Weil wir Autofahrer uns darauf (und auf andere Versprechen und Prognosen) klugerweise nicht verlassen wollen (und können), fangen wir heute mit dem Treibstoffsparen an und nehmen für Strecken unter sechs Kilometer Länge nur noch das Fahrrad – versprochen!
Apropos Prognose: Bis ins Jahr 2030 blickte in Berlin eine Forschungsgruppe im Rahmen des Projektes renewbility. Was die Gruppe aus Vertretern der Automobil-, Bahn-, Energie- und Logistikbranche sowie Umwelt- und Verbraucherschutzverbänden zusammen mit dem Öko-Institut (Projektleitung) und DLR – Institut für Verkehrsforschung sowie dem Institut für Energie- und Umweltforschung (IFEU Heidelberg), dem Institut für Energetik und Umwelt (IE Leipzig) und der Technischen Universität Dresden (TU-DD) als wissenschaftliche Partner für das Jahr 2030 prognostizieren, können Sie hier lesen:
Das wichtigste Ergebnis dieser Prognose-Forschung,die auf der Abschlussveranstaltung des Forschungsvorhabens in Berlin am 30. Juni veröffentlicht wurde: Der Verkehrssektor kann unter den gesetzten Rahmenbedingungen und Annahmen bis zum Jahr 2030 seine Treibhausgasemissionen unter Einbeziehung der Vorkette um bis zu einem Viertel gegenüber 2005 senken. Ein Viertel – das konnte selbst das Bundesumweltministerium in zwei Jahren mit seiner verbrauchsreduzierten Dienstwagenflotte einsparen.
Und fürs Allgemeinwissen noch dies: 30,4 Millionen Tonnen CO2, das entspricht wieder verflüssigt und umgerechnet 12.773.109.244 Liter Benzin, was wiederum 80.334.020 Barrel Rohöl entspräche (sofern wir richtig gerechnet haben). Zum heutigen Tagespreis hätte die Bundesregierung mit den 30,4 Millionen Tonnen CO2 also „umgerechnet“ 5.334.178.954 US Dollar an Rohölkosten eingespart. Und wir Autofahrer in unserer deutschen Gesamtheit hätten bei einem Literpreis von derzeit 1,30 Euro noch 16.605.042.017 Euro und 20 Cent mehr in der Tasche. Und noch ein Vergleich zu Veranschaulichung: 30,4 Millionen Tonnen – das entspricht etwa dem Gewicht von 250.000 Blauwalen, so viele hat es wohl irgendwann einmal auf dieser Welt maximal gegeben (heute nur noch geschätzt 5.000).
darue Quellen: Bundestag, BUM, www.renewability.de
Fotos © Robert Kelly – Fotolia.com (CO2) und © outdoorsman – Fotolia.com (Wal)
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