Schon gefahren: Renault Kangoo Z.E.
Bravo für die Nase mit Weitblick!
Renault meint es ernst mit der E-Mobility. Zumindest was den europäischen Markt betrifft, haben die „Créateur d’automobiles électriques“ derzeit die Nase vorne. Eine Nase mit Weitblick!
Auf der Internationalen Automobil Ausstellung (IAA) in Frankfurt, die ohnehin unter Strom stand, versetzte Renault die Besucher mit einer ganzen Modellpalette von Elektrofahrzeugen in Staunen. Vier E-Mobile, der Zweisitzer Twizy der elegante Zoe, die Limousine Fluence und der Kleintransporter Kangoo werden ab 2011 auf den europäischen Markt surren. Alle vier tragen die Typenbezeichnung Z.E. für Zero Emission. Die Entwicklungsstufe „Hybrid“ übersprangen die Franzosen mit élégance und verve. Warum damit aufhalten, besser gleich auf reine Stromer setzen, nach dem Motto: „Elektroautos für alle“. Den weltweit einzigen fahrbereiten Prototypen des Kangoo Z.E. Concept durften wir auf der IAA schon ausprobieren.
Die ersten Eindrücke? Elektrisierend. Nüchtern betrachtet: Ausgesprochen positiv. Das erste Lob gilt dem Ladeanschluss, der unter einer Klappe an der Fahrzeugfront angebracht ist. Bravo! Mitgedacht! Denn in den meisten Fällen werden Autofahrer künftig frontal an eine Ladestelle andocken. Andere Hersteller machen es sich da einfacher. Wo früher schon immer ein „Loch“ in der Karosserie war, nämlich für die Tanköffnung, da platzieren die Ingenieure „praktischer Weise“ den Anschluss fürs Ladekabel. Spart Denkarbeit. Weniger praktisch ist es dann allerdings für den Fahrer, vier Meter Kabel zur Ladesäule zu zerren.
Der geräumige Kangoo (3,95 Meter lang, 1,80 Meter breit) unterscheidet sich nicht vom konventionellen Serienmodell, dank der im Bodenbereich angebrachten Lithium-Batterien geht im Innenraum kein Zentimeter verloren. Zum Anfahren betätigt man einfach einen Hebel, vergleichbar mit dem einer (etwas archaischen) Automatikschaltung: Das Gefährt bewegt sich lautlos und sanft.
Der Transporter für große Familien und kleine Betriebe bietet 70 kW und bedarf keiner besonders dynamischen Beschleunigung, was bei einem E-Motor mit hohem Drehmoment problemlos möglich wäre. Dennoch sind wir ausreichend flott unterwegs. Das Handling ist gut, der Wagen lässt sich leicht manövrieren und ist uns rasch vertraut. Nur die vergleichsweise stärkere Verzögerung, beim „Vom-Gas-Gehen“ fällt uns auf.
Hilfreiche Extras: Wenn sich die Passagiere nähern, beginnt eine außen an der Fahrertür platzierte Leiste zu leuchten. Wie bei einem Handy signalisiert sie den aktuellen Ladezustand der Batterie. Eine ähnliche Anzeige findet sich in der Armaturentafel und ein kluges Navi weist den Weg zur nächsten Ladestation. Die doppelwandige Karosserie des Kangoo Z.E. Concept funktioniert wie eine Thermoskanne und reduziert die Temperaturschwankungen im Innenraum, Solarzellen auf dem Dach setzen kühlende Ventilatoren in Gang wenn der Wagen in der Sonne steht.
Die Reichweite des Kangoo Z.E. soll in der Serie 160 km betragen und alle vier E-Mobile von Renault werden auch schnellladefähig sein (rund 80 Prozent Kapazität in 20 bis 30 Minuten an einer 400 Volt Drei-Phasen-Kraftstromsteckdose mit 32 bis 63 Ampere). Die Standardladung an der üblichen Haushaltssteckdose mit 220 Volt Spannung und zehn oder 16 Ampere Ladestrom erlaubt die vollständige Ladung der Batterien innerhalb von vier bis acht Stunden. Als dritte Variante soll das Quickdrop-System einen Batteriewechsel innerhalb von drei Minuten ermöglichen. Die Renault-Nissan Allianz hat in Zusammenarbeit mit Better Place dazu neuartige Stationen für den schnellen und sicheren Batteriewechsel entwickelt.
Was uns außerdem positiv auffällt: Renault orientiert sich bei den kommunizierten CO2-Werten (69 g/km) am derzeitigen europäischen Strommix und behauptet nicht einfach, ein echtes 0-Emissionsfahrzeug vorzustellen. Verblüffend ehrlich, auch wenn die Typenbezeichnung anderes verheißt. Vier E-Mobile, der Zweisitzer Twizy, der Zoe, die Limousine Fluence und der Kleintransporter Kangoo werden ab 2011 auf den europäischen Markt surren:
pg/darue



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